Irreführende Beispielrechnung zur neuen Regelung der Abwassergebühren durch BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN

In der Januar Ausgabe des Informationsblattes „Grünes INFO“ wurde die Erhöhung der Abwassergebühren als ungerecht dargestellt. Zur Untermauerung dieser These sind Beispielrechnungen angeführt, die im Vergleich zu veröffentlichten Durchschnittswerten (Siehe Links unten) auf vollkommen unrealistischen Verbrauchswerten beruhen. Jede Partei und Fraktion soll für Ihren Standpunkt kämpfen und diesen den Bürgern erläutern, aber wenn hierbei falsche Zahlen benutzt werden, ist eine sachliche Diskussion nicht mehr möglich.

Nun zu den Fakten: Bei jeder Art unseres Energie- und Leistungsbezugs wie Trinkwasser, Strom, Telefon, Müllabfuhr bezahlen wir eine Grund- und eine Mengengebühr. Auch bei der Abwasserentsorgung entstehen bei der Sammlung (Kanal) und der Klärung (Kläranlage) des Abwasser  verbrauchsunabhängige Kosten (Personalkosten, Abschreibungen, Reparaturen usw.) und mengenabhängige Kosten (Strom für Pumpen, Abfuhr des Klärschlammes, Abwasserabgabe usw.). Bisher hatten wir beim Abwasser keine Grundgebühr und Haushalte mit hohem Wasserverbrauch – in der Regel Familien mit Kindern – wurden unverhältnismäßig hoch an den festen Kosten beteiligt. Die CDU Fraktion hat sich nun entschlossen einen Teil der festen Kosten (40%)  in Form einer Grundgebühr zu erheben bei gleichzeitiger Verringerung der Mengengebühr. Es tragen also alle an das Kanalnetz angeschlossenen Haushalte einen Teil der Grundkosten, die mengenunabhängig entstehen. Dadurch werden Haushalten mit geringem Verbrauch höher belastet und Haushalte mit mehreren Personen entlastet. Die Unterschiede sind jedoch bei weitem nicht so drastisch wie von den Grünen in den Beispielen dargestellt, da die angegebenen Jahresverbrauchswerte für das allgemeine Verbrauchsverhalten falsch sind. In allen Publikationen einschließlich der Referenzen des BUND und der Uni Oldenburg wird als Durchschnittswert ein Verbrauch von 46,3 m3  pro Jahr und als absolutes Minimum werden 29,2 m3  angegeben. Diese Werte wurden auch mit mehreren „echten“  Verbräuchen realer Haushalte verglichen. Daraus ergibt sich dann eine wesentlich andere Beispielrechnung:

Verschiedene Haushaltsgrößen
Verbrauch m3 / Jahr
Kosten bisher
Kosten ohne Grundgebühr 2,48 €/m3
Erhöhung gegen bisher
Kosten mit Grundgebühr (1,82€+48,00€)
Erhöhung gegen bisher
Eine Person Durchschnittsverbrauch
46
101,20 €
114,08 €
12,7%
131,72 €
30,2%
Eine Person Minimaler Verbrauch
29
63,80 €
71,92 €
12,7%
100,78 €
58,0%
2 Personen, durchschnittlicher Verbrauch
73
160,60 €
181,04 €
12,7%
180,86 €
12,6%
Durchschnittshaushalt
2,3 Personen
84
184,80 €
208,32 €
12,7%
200,88 €
8,7%
Familie K. tatsächl. Verbrauch,
3 Pers.
106
233,20 €
262,88 €
12,7%
240,92 €
3,3%
Familie, 2 Erw. + 2 Kinder Durchschnittl. Verbrauch
146
321,20 €
362,08 €
12,7%
313,72 €
-2,3%
Familie F. tatsächl. Verbrauch, 4 Pers. (2 Erw. + 2 Kinder)
142
312,40 €
352,16 €
12,7%
306,44 €
-1,9%

Daraus wird deutlich, dass bei einem durchschnittlichen Verbrauch eines 2 Personenhaushaltes die Erhöhung schon geringer ausfällt als bei einer reinen Mengengebühr. Eine Familie mit zwei Kindern bezahlt nach der mit den Stimmen der CDU verabschiedenden Gebührensatzung sogar weniger als vor der Erhöhung. 
Wir finden es gerecht, wenn die Gebühren in der Weise erhoben werden, wie sie verursacht werden und wie auch alle anderen Gebührenordnungen (Strom, Trinkwasser, Gas usw.) aufgebaut sind. Wassersparen wird getrieben von der persönlichen Überzeugung zum schonenden Umgang mit den zur Verfügung stehenden Schätzen der Natur – Der Kostenunterschied zwischen 3,42 € für den Verbrauch von einem Kubikmeter  Wasser (Abwassergebühr ohne Grundgebühr plus Trinkwasser Kosten) gegenüber einen Betrag von 2,76 € (Abwassergebühr mit Grundgebühr plus Kosten für Trinkwasser wird nicht den großen Anreiz zum Wassersparen auslösen. Die Entlastung von Familien ist uns wichtig.
Nachtrag: Gewerbliche Verbraucher mit höheren Verbräuchen profitieren nicht von der neuen Art der Gebührenerhebung für Abwasser: Für je 100 m3 Abwasser wird eine Grundgebühr fällig. Dies trifft nur für gewerbliche Verbraucher zu.
 
Links:
http://www.energiesparen-im-haushalt.de/energie/tipps-zum-energiesparen/hoher-wasserverbrauch/wasserverbrauch-personenhaushalt.html
http://www.hydrologie.uni-oldenburg.de/ein-bit/11686.html
http://www.sparhaushalt.com/spartipps/wasser/wasser_sparen_durchschnittlicher_wasserverbrauch_haushalt_deutschland.htm
http://www.bund-bremen.net/themen_und_projekte/umwelt_energie/wassersparen/wasserspartipps/

Zuletzt geändert am: 08.05.2011 um 20:42